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Székesfehérvár (deutsch
Stuhlweißenburg; lateinisch Alba Regia Regina; Italienisch Albareale, kroatisch
Stolni Biograd) ist eine Stadt in Ungarn mit Komitatsrecht und der Komitatssitz
des Komitats Fejér. Sie hat 101.600 Einwohner (2007) und wird in Ungarn auch
"Stadt der Könige" genannt, da es im Mittelalter neben Buda die Krönungsstadt
der ungarischen Könige war.
Geschichte: Im Gebiet der Stadt finden sich schon seit der Neusteinzeit
(5. Jahrtausend v. Chr.) Spuren menschlicher Besiedlung. Gräberfelder datieren
auch aus der Awarenzeit (9. Jahrhundert n. Chr.). Zur Römerzeit trug die
Siedlung den lateinischen Namen Alba Regia, was ihre große Bedeutung
widerspiegelt. Weiß enthält als Farbe das Herrschende und Stuhl bezeichnete den
Thron. Daraus leitete sich auch der deutsche Name Stuhlweißenburg ab.
Die Siedlung und spätere Stadt, zwischen Platten- und Velencer See gelegen, war
seit je ein Knotenpunkt wichtiger Handelswege. In diesem Gebiet führten
Handelswege durch das Tal des Gebiets Mór und das Gebiet um
Veszprém nach
Südosten auf die Balkanhalbinsel, nach Nordosten zu einer Donauüberfahrtstelle
(dem heutigen Budapest), und schließlich am Ufer des Plattensees entlang in
Richtung Italien. Székesfehérvár ist auch heute ein Knotenpunkt Transdanubiens
sowohl für den Eisenbahn- als auch den Straßenverkehr. Der Vorläufer der
heutigen Stadt wurde von den Ungarn zur Zeit der Landnahme gegründet. Im Jahre
970 wurde die Stadt von Fürst Géza zur ersten ungarischen Hauptstadt erhoben.
Nach 972 erbauten sie eine winzige Burg aus Stein, innerhalb dieser den
Fürstenpalast und eine Kirche. Sein Sohn Stephan I. (1083 heiliggesprochen)
wurde hier 1001 zum ersten König von Ungarn gekrönt. Er erhob die Siedlung zur
Stadt und zum weltlichen Sitz seines Königtums, es entwickelte sich die frühe
Stadt mit einer großen Basilika (1003-1038). Hier wurden die Schatzkammer, das
Landesarchiv und die Hoheitszeichen des Landes aufbewahrt. Zweimal im Jahr
wurden hier die Landtage abgehalten. Bis 1526 wurden 43 ungarische Könige in der
königlichen Basilika gekrönt und bis 1540 fünfzehn von ihnen hier bestattet,
darunter auch Stephan I.
Im 11. Jahrhundert war die Stadt eine wichtige Station bei Wallfahrten ins
Heilige Land. Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich die Stadt immer weiter,
auf den sich aus den Sümpfen hervorhebenden Hügeln entstanden die Vorstädte.
Dort siedelten sich Mönchsorden, Handwerker und Händler an. 1222 war die Stadt
Schauplatz eines Ereignisses von besonderer Bedeutung. König Andreas II. erließ
die sogenannte Goldene Bulle, die erste Verfassung des Landes, die die
Privilegien aller Adligen und die Pflichten des Königs ihnen gegenüber bestimmt.
Im Frühling 1242 wurde die Stadt von den Mongolen angegriffen, die in ganz
Ungarn eingefallen waren. Die plötzliche Schneeschmelze schützte die von einem
Sumpfgebiet umgebene Stadt vor dem Einfall der mongolischen Reiter, da diese
nicht bis zu den Mauern der Stadt vordringen konnten. In den Urkunden aus dem
13. bis 15. Jahrhundert ist eine Reihe von Palastbauten erwähnt. Das Gesicht der
Stadt, die im Mittelalter eine Blütezeit erlebte, wurde ab etwa 1490 in
zahlreichen Stichen verewigt.
1526 wurde Ungarn durch die Eroberungsbestrebungen des Osmanischen Reiches in
seiner Existenz bedroht. Bei der Schlacht bei Mohács fielen 20.000 Angehörige
des Adels und des Klerus. Auch König Ludwig II. fand auf dem Schlachtfeld den
Tod. 1541 wurde Buda von den Türken erobert, 1543 fiel auch Székesfehérvár.
Seither war die Stadt bis 1688, als die Habsburger die Macht übernahmen, eine
türkische Grenzfestung, mit Ausnahme eines einzigen Jahres, als die Stadt 1601
vorübergehend zurückerobert wurde. Der größte Teil der Stadtbevölkerung
flüchtete, viele Gebäude wurden zerstört, das städtische Leben kam weitgehend
zum Erliegen. Die türkische Besatzungsmacht ließ nur wenige Gebäude errichten.
Auch die königliche Basilika ist heute nicht mehr vorhanden.
Ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine neue Blüte. Zu den
örtlichen ungarischen und serbischen Einwohnern kamen deutsche und mährische
Siedler. 1703 erhielt die Stadt den Rang einer königlichen Freistadt zurück, sie
war aber nicht mehr Hauptstadt des Landes. Die späteren Könige aus der Familie
der Habsburger hielten die Landtage im nahe gelegenen Pressburg ab, wo sie auch
gekrönt wurden, während ihr königlicher Sitz in Wien war. Mitte des 18.
Jahrhunderts begannen größere Bautätigkeiten: z. B. das Ordenshaus und die
Kirche der Franziskaner, die kirchlichen Bauten der Jesuiten. Öffentliche
Gebäude, Barockpaläste und Bürgerhäuser wurden errichtet. Der Entwicklung der
Stadt ist auf den Bildern aus den Jahren 1720 bis 1870 gut zu verfolgen.
Die überwiegend deutsche Bevölkerung magyarisierte sich allmählich unter dem
Einfluss der Reformbestrebungen Anfang des 19. Jahrhunderts. Am 15. März 1848
schlossen sich die Bürgerschaft und die Jugend der Revolution an. Nach der
Niederschlagung der Revolution und des darauffolgenden Freiheitskrieges wurde
sie im Schatten des mittlerweile stark gewachsenen Budapest eine kaum
industrialisierte Agrarstadt. Nach dem Friedensvertrag von Trianon erlebte die
Stadt in der Zwischenkriegszeit eine Periode des Aufschwungs. Während der
Kriegsvorbereitungen wurden mehrere Großbetriebe gegründet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die aggressive Industrialisierung fort.
Unter anderem wurden ein Aluminiumwalzwerk und eine Motorradfabrik errichtet.
Die 1945 noch 35.000 Einwohner zählende Stadt wuchs bis zum Ende der 1970er
Jahre auf 100.000 an. Es entstanden neue Wohnsiedlungen, aber die Innenstadt
bewahrte ihren Barockcharakter, und die Gebäude blieben als Kunstdenkmäler
erhalten. Die bedeutendsten Barockbauten sind der Dom, das bischöfliche Palais
und das Rathaus.
Im Laufe der archäologischen Forschungen der vergangenen Jahrzehnte wurden die
mittelalterlichen Überreste freigelegt, die fortdauernd restauriert und
ausgestellt werden. Im "Ruinengarten" finden sich unter anderem die Reste der
romanischen Basilika und des Mausoleums von König Stephan I. aus dem 11.
Jahrhundert und die Reste der spätgotischen Annakapelle aus der Zeit um 1470.
Söhne und Töchter der Stadt:
Miklós Ybl
(1814-1891), Architekt
Cornelius
Lanczos (1893-1974), Physiker
Lajos Rácz (*
1952), Ringer
Viktor Orbán
(* 1963), Politiker
Menyhért
Gyország (* 1967), Schriftsteller, Naturwissenschaftler
Partnerstädte:
Alba Iulia,
Rumänien
Birmingham,
Alabama, USA
Blagoewgrad,
Bulgarien
Bratislava,
Slowakei
Cento,
Italien
Chorley
(Lancashire), Großbritannien (seit 1991)
Kemi,
Finnland
Luhansk,
Ukraine
Oppeln, Polen
(seit 1978)
Schwäbisch
Gmünd, Deutschland (seit 1991)
Zadar,
Kroatien. |