Märchen - Aladdin und die Wunderlampe 1
In einer großen Stadt Chinas lebte ein armer
Schneider namens Mustafa. - Durch sein Gewerbe verdiente er kaum
so viel, dass er mit seiner Frau und seinem Sohne leben konnte.
Dieser Sohn, Aladdin mit Namen, war ein Tunichtgut. Der Vater
hatte nicht viel Zeit und Geld auf seine Erziehung verwenden
können, und der Sohn hatte auch nichts gelernt. Er war vielmehr
immer halsstarrig, boshaft und ungehorsam geblieben. Seit seiner
Kindheit hatte er am liebsten mit andern Gassenjungen auf den
Straßen und Plätzen der Stadt herumgetollt.
Nun wollte ihn der Vater in der eigenen Werkstatt das
Schneiderhandwerk lehren. Aber der Sohn war nicht mehr zu
bessern. Kaum kehrte der alte Meister seinem Sohn den Rücken,
flugs war dieser aus der Stube hinaus. Und er kam den ganzen Tag
nicht wieder. Scheltworte und Drohungen nützten nichts. Auch
Schläge vermochten den flatterhaften Sinn des Jungen nicht zu
ändern. Schließlich musste ihn der Vater zu seinem großen
Bedauern dem liederlichen Leben überlassen. Da grämte sich der
alte Schneider so sehr, dass er krank wurde und nach einigen
Monaten starb.
Aladdins Mutter sah, dass sie von ihrem Sohn keine Hilfe zu
erwarten habe. Also schloss sie den Laden und machte das wenige
Handwerkszeug des Gatten zu Geld. Davon und vom Ertrag des
Baumwollspinnens hoffte sie, mit dem Sohn leben zu können.
Dieser ging jetzt ungehemmt seinen Neigungen nach. Er kümmerte
sich nicht im geringsten um die Ermahnungen seiner Mutter. Ja,
er stieß sogar Drohungen gegen sie aus. ohne Unterlass spielte er
mit Jungen seines Alters. Nach Hause ging er nur mehr zur
Essenszeit. Sonst ließ er sich den lieben langen Tag nicht
blicken. So trieb er es, bis er fünfzehn Jahre alt geworden war.
Und er dachte keinen Augenblick daran, was aus ihm werden
sollte.
Während Aladdin eines Tages wie gewohnt mit den Gassenbuben
spielte, ging ein Fremder vorüber. Er blieb stehen und sah dem
Spiel zu; besonders Aladdin betrachtete er aufmerksam. Der
Fremde war ein afrikanischer Zauberer. Er konnte Berge
aufeinandertürmen und verstand sich auch auf die Sternkunde.
Erst vor zwei Tagen hatte er seine Heimat Afrika verlassen. Nun
sah er Aladdin eine Weile genau zu. Dabei erkundigte er sich
unauffällig bei einem andern Knaben nach dessen Namen und
Familienverhältnissen.
Dann trat er auf Aladdin zu und sagte: ,,Mein Sohn, ist dein
Vater nicht der Schneider Mustafa?" ,,Ja, Herr", erwiderte
Aladdin, ,,aber er ist schon lange tot." Bei diesen Worten fiel
der Fremde dem Jungen um den Hals. Er umarmte und küsste ihn
wiederholt. Tränen flossen über seine Wangen. ,,Warum weint Ihr,
Herr?" fragte Aladdin. ,,Und woher kennt Ihr meinen Vater?"
Traurig erwiderte der Afrikaner: ,,Wie sollte ich nicht weinen!
Dein Vater war ja mein Bruder. Ich bin daher dein Oheim. Einige
Jahre schon bin ich auf der Reise. Jetzt, da ich hoffte, ihn
wiederzusehen, muss ich erfahren, dass er tot ist. Dies schmerzt
mich unendlich. Der einzige Trost ist mir, in deinem Gesicht
seine Züge zu erkennen." Dann fragte er Aladdin nach der Wohnung
seiner Mutter und drückte dem Jungen einen Beutel voll Kleingeld
in die Hand.
Dazu sagte er: ,,Nun geh gleich zu deiner Mutter. Grüße sie von
mir. Und sag ihr, ich werde sie morgen besuchen, wenn es meine
Zeit erlaubt. Ich möchte das Haus sehen, in dem mein lieber
Bruder gelebt hat und wo er gestorben ist." Aladdin, den der
Fremde eben zu seinem Neffen gemacht hatte, lief mit dem Geld
stracks nach Hause. Er rief seiner Mutter zu: ,,Liebe Mutter,
sag mir doch, ob ich einen Oheim habe!"
,,Nein", erwiderte die Mutter, ,,du hast keinen Oheim, weder
väterlicherseits noch von meiner Seite." ,,Und doch", meinte
Aladdin, ,,hat eben jetzt ein Mann zu mir gesagt, dass er mein
Oheim sei. Er weinte über den Tod meines Vaters, der sein Bruder
gewesen wäre. Dabei fiel er mir um den Hals und küsste mich. Er
hat mir auch dieses Geld gegeben." Nun wies Aladdin die Handvoll
Geld vor. ,,Auch hat er versprochen, dass er morgen zu dir kommen
werde. Er möchte Vaters Haus und Wohnung sehen. Inzwischen soll
ich viele Grüße an dich ausrichten."
,,Mein Sohn", entgegnete die Mutter, ,,es ist wahr, dein Vater
hatte einen Bruder. Aber der ist schon lange tot. Und von einem
andern Bruder habe ich nie gehört." Damit endete das Gespräch
zwischen Mutter und Sohn.
Am andern Tag kam der Zauberer wieder zu den spielenden Knaben.
Er trat zu Aladdin und umarmte und küsste ihn wie am Vortag. Dazu
gab er ihm zwei Goldstücke mit den Worten: ,,Mein Sohn, bring
dieses Geld deiner Mutter. Sag ihr, ich werde am Abend zu ihr
kommen; sie soll um das Geld etwas für das Nachtmahl einkaufen.
Denn ich möchte bei euch speisen. Zeig mir jetzt das Haus, in
dem ihr wohnt. Ich will sicher sein, am Abend hinzufindenl"
Der Junge zeigte ihm das Haus, und der Zauberer verließ ihn.
Aladdin lief nach Hause. Er gab seiner Mütter die zwei
Goldstücke und richtete die Botschaft des Oheims aus. Die Mutter
ging sofort auf den Markt und kaufte allerlei Vorräte. Da es am
Nötigsten mangelte, entlieh sie von der Nachbarin das
Tischgeschirr. Dann bereitete sie das Abendessen.
Am Abend, als alles fertig war, sagte sie zu dem Jungen: ,,Nun
geh und suche den Oheim! Führ ihn her, vielleicht weiß er den
Weg nicht!" Aladdin wollte soeben gehen, als es an die Tür
klopfte. Er öffnete und erkannte den Fremden. Ein Diener folgte
ihm mit Früchten und Weinflaschen; nachdem er diese
niedergestellt hatte, entfernte er sich. Der Zauberer begrüßte
Aladdins Mutter und sprach: ,,Nun zeig mir die Stelle, wo mein
Bruder bei seiner Arbeit saß!" Sie zeigte ihm den Platz. Der
Zauberer aber warf sich zu Boden. Er küsste die Steile unter
Tränen und rief aus: ,,Mein armer Bruder, wie unglücklich bin
ich, dich nicht mehr am Leben zu treffen! Wie gerne möchte ich
dich umarmen und dir in die Augen blicken!"
Aladdins Mutter musste nun glauben, dass er wirklich der Bruder
ihres Gatten sei. Sie lud ihn ein, sich auf ihres Mannes Platz
zu setzen. Aber er lehnte es ab. Er bat, sich gegenüber setzen
zu dürfen; so könne er sich wenigstens einbilden, der Bruder
sitze noch dort. Da drang sie nicht weiter in ihn und ließ ihn
Platz nehmen, wo er wollte.
Nun begann er zu plaudern und sagte: ,,Liebe Schwägerin, wundere
dich nicht, dass du mich nie gesehen und nie von mir gehört hast.
Es sind jetzt genau vierzig Jahre, seit ich das Land verließ.
Ich bin weit in der Welt herumgekommen. Ich habe Indien, Persien
und Afrika gesehen. Ich bin in den schönsten Städten dieser
Länder gewesen. Lange Jahre habe ich mich auch im Westen
aufgehalten. Dann aber erwachte die Sehnsucht nach der Heimat in
mir, und sie hat mich nie mehr verlassen. Wo der Mensch geboren
ist, dorthin zieht es ihn immer wieder. Ich dachte an meinen
Bruder. Da ergriff mich heißes Verlangen, ihn wiederzusehen. Ich
sagte mir auch, dass ich reich sei; aber mein Bruder müsse
vielleicht in Armut sein Leben fristen, und ich könnte ihm
helfen!
Daher machte ich mich auf die weite Reise. Frage nicht, was für
Mühen und Beschwerden ich unterwegs ertrug! Nur die Hoffnung auf
ein Wiedersehen mit dem Bruder hielt mich aufrecht. Darum war
mein Schmerz unsäglich, als ich von seinem Tod erfuhr. Als ich
nun auf der Straße deinen Sohn sah, fiel mir sofort die
Ähnlichkeit mit meinem Bruder auf. Mein Herz zog mich zu ihm.
Darum sprach ich ihn an. Und ich freute mich, doch wenigstens
einen Sohn meines Bruders gefunden zu haben."
Als der Zauberer sah, wie sehr seine Worte Aladdins Mutter
ergriffen, lenkte er ab.
Er wandte sich schnell an Aladdin: ,,Mein Sohn, wie heißt du?"
,,Aladdin", sagte dieser.
,,Nun, Aladdin", fuhr der Zauberer fort, ,,hast du ein Handwerk
oder eine andere Fertigkeit gelernt?"
Bei dieser Frage wurde Aladdin verlegen. Beschämt senkte er den
Kopf.
Seine Mutter aber rief: ,,Nichts hat er gelernt. Er ist ein
Taugenichts. Den ganzen Tag strolcht er auf den Gassen herum und
verbringt mit seinesgleichen unnütz die Zeit. Sein Vater hat
sich alle Mühe gegeben, ihn ein Handwerk lernen zu lassen. Er
wollte einen anständigen Menschen aus ihm machen. Aber alle Mühe
war vergebens. Er folgte ihm nicht, war eigensinnig und boshaft.
Der Kummer um ihn hat meinen Mann unter die Erde gebracht. Ich
bringe mich mit Baumwollspinnen mühselig durchs Leben. Er aber
streicht trotz meiner Reden und Mahnungen auf den Straßen herum.
Er schämt sich nicht, mit fünfzehn Jahren noch mit den Kindern
zu spielen. Und was aus ihm werden soll, ist ihm gleichgültig.
Ich kann ihn nicht mehr erhalten. Ich bin eine alte Frau, die
selbst mit ihrem knappen Verdienst nicht auskommt. Demnächst
werde ich ihm die Tür verschließen und ihn nicht mehr
hereinlassen. Er soll sehen, wo er unterkommt und wie er sich
fortbringt."
Der Zauberer hatte den Jungen während dieser Klagen seiner
Mutter unverwandt angeblickt. Als sie geendet hatte, sagte er zu
ihm: ,,Was
du treibst, ist nicht gut, mein lieber Neffe. Du solltest schon
verständig genug sein, an einen Erwerb zu denken. Deine Mutter
kann dich nicht ewig erhalten. Denk nach, ob dir nicht doch ein
Gewerbe zusagt. Wenn dir das Handwerk deines Vaters nicht
gefällt, dann such dir ein anderes! In dieser Stadt sind sicher
viele Handwerker, die dich gerne in die Lehre nähmen. Aber wenn
du gar keine Lust zum Handwerk hast, dann will ich dir einen
Kaufladen einrichten. Ich will ihn mit den feinsten Stoffen
ausstatten, damit du Handel treiben kannst. Auf diese Art wirst
du ein genügendes Einkommen finden und ein geachteter Mann
werden.
Dieses Anerbieten lockte Aladdin sehr. Er wusste, dass die
Kaufläden immer stark besucht waren. Die Aussicht, ein reicher
Handelsherr zu werden, schmeichelte seinem Stolz. Daher erklärte
er seinem Oheim, dass ihn dieser Beruf freuen würde. Und er
dankte ihm für die Wohltat, die er ihm erweisen wolle.
,,Da dir dieses Gewerbe gefällt", sagte der Zauberer, ,,werde
ich dich morgen in die Stadt mitnehmen. Ich werde dir feine
Kleider kaufen, wie es sich für einen Kaufmann schickt. Und
übermorgen wollen wir einen Laden suchen, wie ich dir
versprochen habe."
Bisher hatte Aladdins Mutter nicht recht geglaubt, dass der Mann
ihr Schwager sei. Nun zweifelte sie nicht mehr daran. Ein
fremder Mann würde ihrem Sohn nicht so glänzende Versprechungen
machen. Sie ermahnte ihn daher, sich nun alle Torheiten aus dem
Kopfe zu schlagen. Er solle sich der Güte des Oheims würdig
erweisen. Dann trug sie das Abendessen auf. während des Mahles
unterhielten sie sich weiter über den Kaufmannsberuf.
Schließlich bemerkte der Zauberer, dass die Nacht schon weit
fortgeschritten sei. Er verabschiedete sich von Mutter und Sohn
und suchte seine Herberge auf.
Am nächsten Morgen holte der Zauberer den Jungen zum
verabredeten Gang in die Stadt ab. Er führte ihn zu einem großen
Handelshaus. Dort gab es Kleider aus den besten Stoffen für
Personen jeden Alters und Standes.
Der Zauberer verlangte mehrere der schönsten Gewänder zur
Auswahl. Dann sagte er zu Aladdin: ,,Lieber Neffe, wähl dir aus,
was dir am besten gefällt!"
Aladdin war über die Freigebigkeit des Oheims hocherfreut. Er
suchte sich das schönste Gewand aus. Und der Oheim bezahlte den
Kaufmann bar, ohne zu handeln.
Nachdem Aladdin von Kopf bis Fuß prächtig gekleidet war, dankte
er seinem Oheim, küsste ihm die Hand und bat ihn, sich auch
ferner seiner anzunehmen. Der Zauberer versprach, ihm bei seinem
Erwerb behilflich zu sein. Er führte ihn zunächst in die Straße,
wo sich die reichsten Kaufläden mit den feinsten Stoffen
befanden.
Hier sagte er: ,,Auch du wirst bald ein Kaufmann sein. Darum ist
es vorteilhaft, dass du diese Kaufleute besuchst. Sie sollen dich
kennenlernen."
Der Zauberer zeigte Aladdin auch die schönsten und prächtigsten
Moscheen. Schließlich geleitete er ihn durch den Palast des
Sultans, soweit man dort freien Zutritt hatte. Nach diesem
langen Spaziergang nahm er ihn mit in sein Absteigquartier. Dort
machte er ihn mit einigen Kaufleuten bekannt und stellte ihn als
seinen Neffen vor. Sie nahmen ein reichliches Mahl ein, und
Aladdin sprach den guten Gerichten ausgiebig zu.
Gegen Abend geleitete der Zauberer seinen Neffen zum Hause
seiner Mutter zurück. Diese war außer sich vor Staunen, als sie
den Sohn so fein gekleidet sah. Sie wünschte den Segen des
Himmels über den großzügigen Schwager herab.
,,Lieber Schwager", sagte sie, ,,ich weiß nicht, wie ich dir für
deine Großmut danken soll. Mein Sohn wäre ganz nichtswürdig,
wenn er sich jetzt nicht deiner Fürsorge würdig erweisen wollte.
Ich danke dir von ganzem Herzen. Der Herr möge dich durch ein
langes und glückliches Leben belohnen. Ich hoffe, dass auch mein
Sohn dankbar deinen Rat und deine Wohltaten anerkennen wird."
Hierauf erwiderte der Zauberer: ,,Aladdin ist ein guter Junge.
Er stammt von trefflichen Eltern. Wir werden schon einen
tüchtigen Menschen aus ihm machen. Übrigens tut es mir leid,
dass
ich ihm nicht schon morgen einen Laden kaufen kann. Aber morgen
ist Freitag, da werden die Läden geschlossen sein. Die Kaufleute
werden die Stadt verlassen und sich in den Gärten aufhalten. Wir
müssen daher bis Samstag warten. Doch komme ich morgen trotzdem
zu euch. Ich will Aladdin mit mir nehmen und ihm die Gärten und
Plätze vor der Stadt zeigen. Dort werden wir auch viele
Kaufleute mit ihren Familien antreffen; so kann ich ihn gleich
bekanntmachen. Er muss ja jetzt auch den Verkehr mit Erwachsenen
lernen."
Nach diesen Worten entfernte sich der Zauberer.
Am folgenden Tag stand Aladdin sehr zeitig auf. Vor Freude hatte
er nicht mehr schlafen können und sich den Morgen
herbeigewünscht. Er zog nun seinen neuen Anzug an. Dann
erwartete er ungeduldig den Oheim. Wiederholt öffnete er die Tür
und blickte nach ihm aus. Als er ihn von ferne kommen sah,
verabschiedete sich Aladdin von seiner Mutter und eilte ihm
freudestrahlend entgegen.
Der Zauberer begrüßte ihn freundlich. ,,Da bist du ja, Junge",
sagte er. ,,Heute will ich dir Dinge zeigen, die du in deinem
ganzen Leben noch nicht gesehen hast."
Sie gingen zusammen vor die Stadt und besahen die prunkvollen
Häuser und Gärten. Bei jedem besonders schönen Schloss oder
Garten blieb der Zauberer stehen. Und jedes Mal fragte er den
Jungen, ob sie ihm gefielen.
Aladdin hatte noch nie so schöne Bauten und Plätze gesehen.
Vergnügt gab er zur Antwort: ,,Oheim, alles ist wunderbar. Ich
kann mich gar nicht sattsehen."
So schritten sie immer weiter, bis sie müde wurden. Um ein wenig
auszuruhen, betraten sie einen großen, herrlichen Garten und
setzten sich nieder. Der Zauberer zog einen Beutel aus der
Tasche. Diesem entnahm er Früchte und Esswaren. Sie aßen und
plauderten und waren lustig und guter Dinge. Dann setzten sie
ihren Weg fort und gingen weiter an den Gärten vorbei ins Freie.
Aladdin hatte noch nie einen so langen Marsch gemacht. Als er
sich allmählich müde fühlte, fragte er: ,,Lieber Oheim, wohin
gehen wir denn? Wir haben die Gärten schon weit hinter uns. Wenn
wir noch länger so fortgehen, weiß ich nicht, ob ich für den
Rückweg stark genug sein werde. Ich bin nämlich schon sehr
müde."
,,Nur Mut", entgegnete der Oheim. ,,Wir haben nicht mehr weit,
mein Junge. Ich will dir nur noch einen Garten zeigen, der alle
bisherigen an Pracht übertrifft." So sprach er freundlich auf
Aladdin ein. Auch erzählte er ihm Geschichten, um den Weg zu
verkürzen.
Endlich kamen sie in ein schmales Tal zwischen zwei nicht
allzu hohen Bergen. Das war die Stätte, deretwegen der Zauberer
aus Afrika bis hierher gereist war.
,,Nun sind wir an Ort und Stelle", sagte er zu Aladdin. ,,Ich
werde dir hier wunderbare Dinge zeigen, die noch kein Mensch
gesehen hat. Du wirst mir zu höchstem Dank verpflichtet sein.
Nun wirst du etwas erblicken, was allen Menschen unbekannt ist.
Wenn du dich ausgeruht hast, sammle dürres Holz Wir brauchen
auch Reisig, damit wir Feuer machen können."
Als Aladdin das hörte, konnte er seine Neugierde kaum mehr
bezähmen. Er sprang im Walde hin und her und sammelte einen
großen Haufen von Holz und trockenen Reisern.
Schließlich sagte der Oheim: ,,Nun ist es genug, mein Sohn." Er
entzündete den Haufen, und dieser brannte hellauf. Dann
warf er Räucherwerk hinein. Dicker Rauch stieg empor. Durch
Zauberworte zog der Zauberer den Rauch bald auf diese, bald auf
jene Seite.
Plötzlich wurde es finster. Es donnerte und blitzte, und die
Erde bebte. Vor Aladdin und dem Zauberer tat sich ein Spalt in
der Erde auf, und eine Steinplatte kam zum Vorschein. Diese maß
viermal einen Fuß und war etwa halb so dick; daran war ein
Messingring befestigt. Aladdin erschrak und machte Miene
davonzulaufen. Da wurde der Zauberer zornig. Er packte ihn
heftig beim Arm und gab ihm eine Ohrfeige. Der Junge fiel der
Länge nach hin und begann heftig zu weinen.
,,Oheim", schluchzte er, ,,was habe ich getan, dass du mich
schlägst?"
Da suchte ihn der Zauberer zu beruhigen. Er sagte: ,,Ich
vertrete jetzt Vaterstelle an dir und meine es nur gut. Du
brauchst dich auch nicht zu fürchten. Aber du musst mir in allem
gehorchen, wenn du Nutzen von meinem Tun haben willst."
Aladdin fasste sich und hörte zu weinen auf.
Der Zauberer aber fuhr fort: ,,Du hast gesehen, was ich durch
das Räucherwerk und meine Zauberworte bewirkte. Unter dem Stein,
den du vor dir siehst, liegt ein verborgener Schatz. Er ist für
dich bestimmt und wird dich reicher als den mächtigsten König
machen. Aber nur du darfst den Ring an der Platte berühren. Nur
du darfst den Stein auf heben. Selbst mir ist es verboten, an
den Stein zu rühren. Auch darf ich keinen Fuß in das
Schatzgewölbe setzen, wenn es geöffnet ist. Deshalb musst du
ausführen, was ich dir sagen werde, du darfst nicht das
Geringste versäumen. Achte genau auf meine Weisungen! Es ist für
dich und für mich von größter Wichtigkeit!"
Mit Staunen lauschte Aladdin den Worten seines Oheims. Er freute
sich nun unbändig, dass er reicher werden sollte als ein König.
Schrecken und Schmerz waren vergessen. Und er sagte zum
Zauberer: ,,Lieber Oheim, sag mir, was ich tun soll. Ich will
alles genau ausführen."
,,Gut, mein Sohn", erwiderte der Zauberer und umarmte ihn. ,,Ich
freue mich, dass du vernünftig bist. Jetzt fass diesen Ring und
hebe den Stein in die Höhe!"
,,Aber Oheim", entgegnete Aladdin, ,,dieser Stein wird mir zu
schwer sein. Ich kann ihn nicht heben. Hilf mir dabei!"
,,Nein", versetzte der Zauberer, ,,das darf ich nicht. Wollte
ich dir dabei helfen, wäre alle unsere Mühe vergebens; wir
brächten den Stein nicht empor. Fass den Ring nur an! Sprich dazu
den Namen deines Vaters und Großvaters und zieh daran! Der Stein
wird sich heben, ohne dass du sein Gewicht spürst."
Da tat Aladdin, wie ihn der Zauberer geheißen. Er hob den Stein
mühelos in die Höhe und legte ihn beiseite.
Kaum war die Platte gehoben, sah Aladdin Stufen vor sich, die in
die Tiefe führten.
,,Lieber Neffe", sagte der Zauberer, ,,nun höre, was ich dir
sagen werde! Steig diese Stufen hinunter, bis du auf dem Grunde
der Höhle bist! Dort wirst du eine offene Tür finden; sie führt
in eine gewölbte Halle. Diese ist in drei aneinanderstoßende
Säle geteilt. In jedem Saal wirst du links und rechts vier
große, bronzene Vasen finden, die mit Gold und Silber angefüllt
sind. Hüte dich, etwas davon zu berühren oder an dich zu nehmen!
Hebe dein Kleid in die Höhe und schließ es eng um den Leib,
damit du nirgends anstreifst; du müsstest sonst auf der Stelle
sterben. Geh ohne stehenzubleiben durch alle drei Räume! Im
letzten Saal wirst du eine Tür finden; sie führt in einen
schönen, großen Garten mit vielen fruchtbeladenen Bäumen. Wenn
du in diesem Garten geradeaus gehst, wirst du auf eine Treppe
von fünfzig Stufen stoßen. Auf dieser steig zu einer Terrasse
empor, und dort sieh dich um! Du wirst eine Nische finden, in
der eine brennende Lampe steht. Diese Lampe nimm, lösch sie aus
und schütte das Öl weg! Dann stecke sie in dein Gewand und bring
sie zu mir. Das Öl wird auf deinem Kleid keine Flecken
hinterlassen. Wenn es dich verlangt, von den Früchten im Garten
zu kosten, so iss, soviel dein Herz begehrt. Solange du die Lampe
bei dir hast, gehört dies alles dir." Nach diesen Worten steckte
der Zauberer seinen Sigelring an Aladdins Finger. Dabei sagte
er: ,,Mein Sohn, dieser Ring wird dich vor jeder Not und Gefahr
schützen. Steig nun hinab! Aber befolge alles genau, was ich dir
gesagt habe! Wenn du zurückkommst, werden wir unser Leben lang
reiche Leute sein."
Aladdin sprang leichtfüßig die Stufen hinunter. Vorsichtig
durchschritt er die drei Säle. Er schürzte sein Gewand und
presste es eng an den Körper; er wollte ja nirgends anstreifen
und so in Lebensgefahr kommen. Er fand den Ausgang in den Garten
und eilte schließlich die Treppe hinauf auf die Terrasse. Dort
sah er die Lampe stehen. Er löschte sie aus und schüttete das Öl
weg. Sodann steckte er sie zu sich und machte sich auf den
Rückweg. Im Garten bewunderte er die Früchte an den Bäumen; sie
leuchteten in den verschiedensten Farben.
Aber alle Früchte waren kostbare Edelsteine. Die weißen waren
Perlen. Andere leuchteten hell und durchsichtig wie Kristall;
das waren Diamanten. Die dunkelroten Früchte waren Rubine, die
grünen Smaragde, die blauen Türkise ; und so ging es fort. Alle
waren rein und vollkommen. Kein König konnte solche
Kostbarkeiten sein eigen nennen. Aber Aladdin kannte den Wert
der Steine nicht; er hielt sie für buntes Glas. Ihm wären
wirkliche Trauben und Äpfel lieber gewesen. Doch gefielen ihm
die Buntheit und der Glanz der Steine. So pflückte er einige ab
und steckte sie in die Taschen seines Gewandes. Auch füllte er
zwei Beutel, die er bei sich trug, und legte einige Steine in
die Falten seines dicken Seidengürtels. Schließlich steckte er
noch mehrere zwischen Kleid und Hemd.
Ohne es zu wissen, hatte sich Aladdin mit Reichtümern beladen.
Rasch eilte er nun durch die drei Säle zurück; er wollte den
Oheim nicht zu lange warten lassen. Eilig stieg er die Stufen
zum Ausgang empor.
Dort erwartete ihn der Zauberer schon mit Ungeduld.
Die letzte Stufe war etwas höher als die übrigen. Darum rief ihm
Aladdin zu: ,,Oheim, da bin ich! Hilf mir die letzte Stufe
hinauf!"
,,Mein Sohn", sagte der Zauberer, ,,gib mir die Lampe! Sie
könnte dir hinderlich sein."
,,Nein", rief der Junge, ,,sie hindert mich nicht! Hilf mir
zuerst heraus, dann geb' ich dir die Lampe."
So stritten sie hin und her. Der Zauberer wurde immer
ungeduldiger. Aber Aladdin konnte die Lampe nicht erreichen. Sie
steckte ja unter den Edelsteinen, die er zwischen Kleid und Hemd
verborgen hatte. Nun geriet der Zauberer in fürchterliche Wut.
Er meinte nämlich, der Junge wolle die Lampe für sich allein
behalten. Murmelnd warf er etwas von dem Räucherwerk ins Feuer.
Kaum hatte er zwei Zauberworte gesprochen, schloss sich die
Platte über dem Eingang, Erde häufte sich darüber, und alles sah
aus wie zuvor.
Der afrikanische Zauberer stammte tatsächlich aus dem fernsten
Afrika. Vierzig Jahre lang hatte er alle Geheimwissenschaften
studiert und sich dabei alle Arten von Zauberei und
Beschwörungsformeln an geeignet. Dabei hatte er entdeckt, dass es
irgendwo in der Welt eine Wunderlampe gab, die ihren Besitzer
zum reichsten und mächtigsten Mann der Erde machen konnte. Er
hatte auch herausgebracht, wo sich diese Lampe befand, nämlich
an einem unterirdischen Ort in der Nähe von Aladdins
Heimatstadt. Darum also war der Zauberer vom äußersten Ende
Afrikas bis in diese Stadt gekommen. Aber nicht er selbst durfte
diese Lampe holen. Ein anderer musste in das Gewölbe hinabsteigen
und ihm die Lampe bringen. Deshalb hatte er sich an Aladdin
gewandt. So bald die Lampe in seinem Besitz war, wollte er den
armen Jungen in die unterirdische Höhle einschließen. Die Lampe
sollte ihm ganz allein gehören.
Aber nun war sein schlauer Plan vereitelt. Aladdin hatte ihm die
Lampe nicht ausgefolgt. So fürchtete der Zauberer, ein Fremder
könne hinter das Geheimnis kommen. Daher hatte er den Jungen mit
der Lampe unter der Erde eingeschlossen.
Er selbst aber kehrte sogleich nach Afrika zurück. Er machte
einen Umweg um die Stadt, damit es den Leuten nicht auffalle,
dass er ohne Aladdin von seinem Ausflug zurückkam.
Der Zauberer war also fort. Wie erging es nun unserem Aladdin?
Zu Tode erschrocken stand er in der Finsternis. Er rief laut
nach seinem Oheim und versicherte immer wieder, dass er die Lampe
sogleich hergeben wolle. Tränen liefen über seine Wangen. Aber
all sein Rufen und Klagen war vergeblich. Nichts rührte sich.
Kein Laut drang an sein Ohr. Er tappte umher, ohne eine Tür zu
finden. Der Zauberer hatte nämlich durch sein Machtwort auch
alle Türen ins Innere der Halle verschlossen. Verzweifelt setzte
sich der Junge auf die kalten Stufen nieder. Er hatte keine
Hoffnung, je wieder das Tageslicht zu sehen.
Gewiss würde er hier umkommen. Zwei Tage und zwei Nächte saß
Aladdin in dieser unheimlichen Finsternis. Er hatte weder Speise
noch Trank. Am dritten Tag ergab er sich in den Willen Gottes.
Mit gefalteten Händen betete er zu Allah: ,,Es gibt keine Macht
und Kraft als in Dir allein, all mächtiger Gott." So flehte er
in seiner Not. Ohne zu denken, rieb er dabei an dem Ring des
Zauberers, der noch immer an seinem Finger steckte. Da stand auf
einmal ein Geist von gewaltiger Größe vor ihm. Er ragte mit dem
Kopf bis zur Decke des Gewölbes und war furchtbar anzusehen.
Dieser Geist sprach: ,,Ich bin dein Diener. Was verlangst du von
mir? Ich bin bereit zu gehorchen. Ich bin der Diener aller, die
diesen Ring meines Herrn am Finger tragen. Ich und alle übrigen
Diener des Ringes werden dir gehorchen."
Aladdin war sehr erschrocken, aber er fasste sich schnell. Mutig
und ohne zu stocken antwortete er: ,,Wer du auch sein magst,
bring mich sofort an die Oberfläche der Erde!"
Kaum hatte er den Wunsch aus gesprochen, stand er schon draußen
im Freien. Er befand sich gerade dort, wohin ihn der Zauberer
geführt hatte. Das helle Tageslicht schien ihm ins Gesicht; er
war wie geblendet. Verwundert betrachtete er die Erde. Er konnte
sich nicht erklären, wie er herausgekommen war. Schon glaubte
er, an einer andern Stelle im Wald zu sein. Aber ganz in der
Nähe entdeckte er die Spuren des verbrannten Reisighaufens ; und
hinter den Gärten, durch die sie gekommen waren, lag die Stadt.
Er erkannte auch den Weg, auf dem er mit dem falschen Oheim
hierher gegangen war. Nun dankte er Gott für seine wunderbare
Rettung. Dann wanderte er in die Stadt zurück. Am Abend langte
er todmüde im Hause seiner Mutter an. Schwäche überfiel ihn, und
er sank ohnmächtig zu Boden; er hatte ja drei Tage nichts zu
sich genommen. Seine Mutter hatte schon die Hoffnung aufgegeben,
ihn wiederzusehen. Nun war sie glücklich, dass er am Leben war.
Zwar er schrak sie sehr, als er ohnmächtig wurde, aber scharfe
Essenzen brachten ihn bald wieder zu sich und belebten ihn.
Seine ersten Worte waren: ,,Liebe Mutter, gib mir zu essen! Ich
habe drei Tage keinen einzigen Bissen genossen.
Rasch brachte die Mutter herbei, was sie vorrätig hatte. Sie
sagte:
,,Da, mein lieber Sohn, iss und trink. Aber sei nicht zu hastig
und heiß hungrig und sprich jetzt nicht. Später wirst du Zeit
genug haben, mir deine Erlebnisse zu schildern."
Aladdin folgte dem Rat der Mutter. Er aß langsam und trank nur
in kleinen Schlucken. Als er satt war, lehnte er sich im Diwan
zurück. Stockend begann er zu erzählen.
,,Weißt du, liebe Mutter", sagte er, ,,dieser fremde Mann war
gar nicht mein Ollelm. Er machte uns zwar große Versprechungen
und beschenkte mich reich. Aber er war ein Zauberer, ein
Bösewicht und Betrüger. Schließlich wollte er mich sogar ums
Leben bringen. Ich wäre jetzt tot, einsam im Finstern
verhungert, wenn nicht Allah mich durch ein Wunder gerettet
hätte. Höre nur, Mutter, wie er es angefangen hat!"
Und nun erzählte Aladdin alles, was er erlebt hatte. Er sprach
von dem einsamen Tal und den Zauberworten über dem Feuer. Er
schilderte, wie sich die Erde geöffnet hatte. Und er vergaß auch
die Ohrfeige und den Zauberring.nicht. Er beschrieb die
unterirdischen Säle und die herrlichen Gärten, und wie er die
Lampe gefunden und zu sich gesteckt hatte. Dabei holte er die
Lampe aus seinem Gewand und zeigte sie der Mutter. Auch die
glitzernden Steine zog er hervor. Die Mutter ahnte so wie ihr
Sohn nichts von ihrem Wert. Sie legte die Edelsteine beiseite,
und Aladdin steckte die zwei vollen Beutel hinter den Polster
des Diwans. Dann setzte er die Erzählung fort. Er berichtete,
wie er in der Höhle begraben gewesen sei. Die Tränen kamen ihm
in die Augen, als er von seiner Verzweiflung sprach. Aber die
Güte des Allmächtigten hatte ihn nach dem Drehen des Ringes
wieder ans Tageslicht gebracht.
Aladdin schlief bis weit in den nächsten Tag hinein. Schließlich
hatte er die ganze Zeit in der Höhle ja kein Auge zugemacht.
Als er erwachte, waren seine ersten Worte: ,,Mutter, ich habe
Hunger. Bring mir zu essen!" ,,Mein lieber Sohn", sagte die
Mutter, ,,ich habe nicht einmal ein Stückchen Brot im Haus. Was
ich hatte, hast du gestern gegessen. Du musst dich gedulden. Ich
habe noch Baumwollgarn; das werde ich in der Stadt verkaufen.
Dafür kann ich dann Brot und etwas zum Mittagessen besorgen.
,,Liebe Mutter", entgegnete der Sohn, ,,behalte die Baumwolle.
Gib mir lieber die Lampe, die ich aus der Höhle mitgebracht
habe. Ich werde in die Stadt gehen und sie verkaufen. Ich
glaube, wir werden für die Lampe mehr bekommen als für das Garn.
Vielleicht können wir dafür außer Frühstück und Mittagmahl auch
noch das Abendessen kaufen."
Aladdins Mutter brachte die Lampe herbei und sagte: ,,Da hast du
sie! Aber sie ist sehr schmutzig. Ich werde sie vorher blank
putzen, damit sie wie neu aussieht."
Sie nahm Wasser und Sand und begann die Lampe zu reiben. Kaum
hatte sie begonnen, erschien ein riesiger Geist vor ihr.
Er sprach mit Donnerstimme: ,,Was willst du von mir? Ich bin
dein Diener und der Diener aller, die diese Lampe in der Hand
haben. Ich und alle übrigen Diener der Lampe werden dir
gehorchen."
Darüber erschrak Aladdins Mutter sehr. Sie war nicht imstande,
zu reden, so furchtbar war der Geist anzusehen; eine Ohnmacht
umfing ihre Sinne. Aladdin aber hatte schon in der Höhle eine
ähnliche Erscheinung gehabt. Ohne sich lang zu besinnen, griff
er nach der Lampe.
Er rief laut: ,,Diener der Lampe, ich habe Hunger. Bring mir
etwas zu essen!"
Der Geist verschwand, erschien aber sofort wieder. Auf einer
großen silbernen Tasse brachte er zwölf verdeckte Schüsseln aus
Silber; sie waren mit den köstlichsten Speisen gefüllt. Ferner
stellte er zwei Flaschen Wein und zwei silberne Becher auf den
Tisch. Das Brot war weiß wie Schnee. Nachdem er alles vor
Aladdin hingelegt hatte, verschwand er wieder.
Noch immer lag Aladdins Mutter in Ohnmacht. Eben wollte sich der
Sohn um die Mutter bemühen, da erwachte sie von selbst durch den
Duft der Speisen.
,,Mutter", rief Aladdin, ,,steh auf!. Schau diese köstlichen
Speisen an. Wir wollen sie sogleich essen, damit sie nicht kalt
werden. Das wird dir wieder Kraft geben und meinen Hunger
stillen."
Als die Mutter die gedeckte Tafel sah, rief sie erstaunt:
,,Welcher Wohltäter hat uns denn das gebracht? Sollte vielleicht
gar der Sultan von unserer Armut gehört haben?"



