Sagen - Deutschland - Die Kümmernisbilder
Zu Lauingen geht auch die Sage von der
frommen Jungfrau Kümmernis, die so vielfach in deutschen Landen
begegnet, und deren Bilder zu Wien, zu Ettersdorf bei Erlangen,
zu Saalfeld und an vielen andern Orten gefunden werden,
vornehmlich auch zu Gmünd in Schwaben, wo aber Maria, oder nach
andern die heilige Cäcilia, die Schuhspenderin gewesen sein
soll. Zu Lauingen und dessen Umgebung ward nun geglaubt, wer nur
ein Bild der Jungfrau Kümmernis bei sich trage und sich ihr
verlobe, dem werde also aus seiner Not geholfen, wie sie dem
armen Spielmann half, und zweimal wird noch immer alldort ihr
gekreuzigt Bildnis in Kirchen gefunden. Am Wege von Dillingen
nach Steinheim steht ein Kapellchen, Sankt Leonhard geweiht, das
barg der Kümmernisbilder viele, die als Gelübde hier dankbar
geopfert waren. Das erfuhr ein Bischof zu Augsburg und verdross
ihn, denn es steht keine Kümmernis im römischen
Heiligenkalender, und das deutsche Volk soll nichts Eignes
haben, und befahl, die Bilder alle abzureißen und zu verbrennen.
Als das die Bauern in der Gegend hörten, liefen sie eilend nach
Sankt Leonhard und holten ihre Votivbilder wieder von der Wand,
um sie dem Feuer zu entreißen und ihnen bessern Platz zu gönnen.
Hernachmals ist aus der Kapelle gar ein Pulvermagazin gemacht
worden, und da haben die Bauern gesagt: Seht ihr wohl! Sankt
Leonhard kann sein Haus nicht schützen! Sankt Kümmernis hätte
das nicht gelitten. Selbst in der altberühmten Kirche zu San
Marco zu Venedig ist ein Kümmernisbild zu erschauen.
Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853.



